Sonntag, 22. November 2009

Ligareform (?), Frage zu Männern im Softball und warum man Fussball lieben muss


Schon einige Tage her seit dem letzten blogeintrag. Ein wie jedes Jahr trister November eben, es ist nicht viel los.

Aber das ein oder andere Thema beschäftigt mich dann doch.

Letztes Wochenende fand die alljährliche Bundesligavollversammlung statt. Es wurde über den sogenannten „Ligareformsantrag“ abgestimmt, der vorsieht die 1. Bundesliga ab der Saison 2011 auf 2x 6 Teams zu verkleinern und eine eingleisige Liga ab dem Jahr 2013 einzuführen. Der Antrag wurde angenommen und muss nun noch durch ein Gremium des Verbandes ehe es dann tatsächlich zur Ligaverkleinerung kommt.
Was spricht für eine Ligaverkleinerung? Das Niveau der Bundesligaspiele wird erhöht, da die bisherigen „Kellerkinder“ (Plätze 7 und 8 im Norden und Süden) aus der Liga verschwinden. Damit steigt zwangsläufig auch die Wettbewerbsfähigkeit der Nationalmannschaft, wenn sich die Bundesliga stärker darstellt.
Ein weiteres Argument für den Antrag sind wohl die bessere Vermarktungsmöglichkeit der Baseball Bundesliga. Das Argument zieht bei mir nicht, da der Baseballsport hier in Deutschland auch in Zukunft nicht über den Status des Exoten hinauskommen wird. Eine deutlich zu geringe Mitgliederzahl, zu wenig Medienpräsenz und Zuschauerzahlen bei Bundesligaspielen bei denen Bezirksligafussballer nur mit dem Kopf schütteln können, bieten nicht genug Attraktivität für einen potenten Geldgeber, der sich möglicherweise die Namensrechte an der 1. Bundesliga sichern möchte.

Was spricht gegen die Reform?
Eine Verkleinerung der Liga wird die Kluft zwischen Liga 1 und 2 nochmals vergrößern. Zweitligisten haben schon jetzt massive Probleme, den Weg in Liga 1 zu finden. Die erste Liga wird durch Verkleinerung und der nochmals erschwerten Möglichkeit aufzusteigen (es wird nach der Reform keinen Direktaufsteiger mehr geben, sondern der Aufstiegsberechtigte aus Liga 2 spielt eine Relegationsserie gegen den 6. aus dem Oberhaus), endgültig zu einer „geschlossenen Gesellschaft“. Nun mag der ein oder andere argumentieren, dies funktioniere in den USA doch auch (siehe MLB, NBA, NHL, NFL) und mehr schlecht als Recht doch auch in der DEL und der deutschen Basketballliga. (Bitte um Korrektur wenn es in der Basketballliga Auf- und Absteiger gibt)
In den USA bzw. den anderen Sportarten handelt es sich aber nicht wie im deutschen Baseball um eine Sportart, die nach wie vor immens geringe Mitgliederzahlen vorweist. Keine 10000 Aktiven im deutschen Baseball, sprechen (nicht) für sich.
Worauf will ich hinaus? Wenn den niederklassigen Baseballclubs die, wenn oftmals auch nur theoretische, Perspektive auf den Spielbetrieb in der ersten Liga genommen wird, ist dies hilfreich für den deutschen Baseballsport? Fest steht, dass sich talentierte Spieler mit Ambitionen immer dorthin bewegen werden, wo sich ihnen das bestmögliche Umfeld und das bestmögliche Niveau bietet. Wenn ein Nachwuchsnationalspieler in seinem Heimatverein aber nun keinerlei Möglichkeit bzw. mittelfristige Perspektive auf die 1. Liga hat, wird er ja schon fast dazu gezwungen, zu einem Erstligaclub zu wechseln. Die 2. und Regionalligisten werden also mehr und mehr zu „Ausbildungsvereinen“ in dem Wissen, dass ihre Jugendarbeit dem eigenen Verein nur begrenzt nutzen wird. Inwieweit sich die Vereine dann noch motivieren können, gute Nachwuchsförderung zu betreiben, ist fraglich. Und Nachwuchsförderung ist gleichbedeutend mit Mitgliederzuwachs. Projekte wie Schulsportveranstaltungen, Baseball Roadshows usw. zielen darauf ab, Kinder und Jugendliche zum Baseballsport zu bringen um sie dort für die jeweiligen Herrenteams auszubilden. Und welcher Abteilungsleiter, Vereinsvorstand oder Nachwuchstrainer träumt nicht davon, wenn er Baseball an einer Schule präsentiert, dass der 12 jährige Neuling in 10 Jahren Leistungsträger in seiner ersten Herrenmannschaft ist?

Fazit: Ich habe Bedenken, dass bei dieser Reform die „kleinen“ Vereine immer kleiner werden und im schlimmsten Falle verschwinden, während die wenigen „großen“ Clubs immer mächtiger werden, mit Spielerkadern um die 40 Spieler für die Teams in Bundesliga 1 und 2. Wenn dann allerdings die Basis aufgrund mangelnder Perspektive „wegstirbt“, dann stirbt letztendlich der gesamte Baseballsport.
Es handelt sich hier lediglich um ein Gedankenspiel meinerseits, ich kann auch völlig daneben liegen und alles geht so weiter wie bisher. Jeder Verein versucht für sich möglichst viele Kinder zu bekommen und eine möglichst gute Nachwuchsarbeit zu betreiben.
Ich kann mich allerdings noch an meine Tage als Nachwuchsvereinstrainer erinnern und damals habe ich mir die Frage gestellt ob es Sinn macht Spieler für den großen Nachbarverein auszubilden. Die Antwort lautete „Nein“ und die zweite Antwort darauf war „man muss halt zusehen, dass hier auch 1. Liga gespielt wird“. Die zweite Antwort kann man sich im Falle der Reform dann sparen, denn es wird ja so gut wie unmöglich gemacht.

2. Fazit: Als Bundesligatrainer und Leistungssportfan befürworte ich so eine Reform grundsätzlich. Aber nicht zur jetzigen Zeit, der Baseball in Deutschland ist noch (lange) nicht so weit.


Zwei, drei kurze Fragen zum Softball: Warum tummeln sich so viele Männer im deutschen Softballsport? Baseball = Männersportart, Softball = Frauensportart. Stört das die Mädels eigentlich, wenn sie von einem Mann gecoacht werden? Also mich würde es als Mann schon stören, wenn mir eine Frau Baseball beibringen möchte. Denn dafür gibt es ja Softball.
Komisch. Da muss ich mal das ein oder andere Softballmädel fragen, wie sie eigentlich dazu stehen, dass die Männer sich in ihrer Sportart „breit machen“.

Zu guter Letzt, zum wirklich Wichtigen im Leben. Fussball, genauer gesagt dem
1. FC Nürnberg. Den gestrigen 3-2 Auswärtserfolg beim VFL Wolfsburg werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Ein Wahnsinnsspiel! Kampfbetont, spannend bis zum Schlusspfiff, emotionsgeladen – das schätze ich so sehr am Fussball. Was ich allerdings nicht am Fussball schätze, sind die deutschen Schiedsrichter. Leute, macht was um diese ständigen Fehlentscheidungen zu minimieren. Das Handspiel von Henry beim playoff Spiel Frankreich – Irland muss irgendjemand gesehen haben.
Und da ging es um nichts weniger als die WM Teilnahme. Oder war da etwa ein asiatischer Wettpate am Start?

Dienstag, 6. Oktober 2009

"Der Ruhmreiche", "1. FC Nämberch", "er" oder einfach nur "Depp"


Es gibt ein bekanntes Zitat: "Im Leben kann man sich nur zwei Dinge nicht aussuchen, die werden dir gegeben. Deine Eltern und dein Verein."


Während sich der Großteil der Anhänger des FC Bayern München oder neuerdings der TSG Hoppenheim nach Überlegungen wie "Ach, die werden oft Meister, haben viel Geld und spielen regelmäßig in Champions League und UEFA Cup, da geh ich jetzt mal hin und bin Fan davon" für einen dieser Verein entscheidet, gibt es keinerlei Gründe, warum sich jemand den 1. FC Nürnberg als seinen favorisierten Fussballclub aussuchen sollte. Meister wurde der Glubb das letzte Mal 1968, chronisch Pleite ist der "Ruhmreiche" zudem und die Rückkehr auf die internationale Bühne war auf ein Jahr beschränkt. Ein Jahr später folgte sofort ein erneuter Abgang in die Zweitklassigkeit. (Als erster Pokalsieger übrigens, der im Folgejahr abgestiegen ist. Naja, als Meister ist dem fränkischen Traditionsverein dies auch schon gelungen)


Mit acht oder neun Jahren wurde ich das erste Mal von meinen Onkels ins Stadion mitgenommen. Gegner damals Werder Bremen, Ergebnis weiss ich nicht mehr, tippe auf Sieg Bremen. Seitdem bin ich also ein sogenannter "Glubberer".


Nun zu den vielen Namen, die der 1. FCN so hat. "Der Ruhmreiche": Das stammt aus der Zeit vor meiner Geburt und dieser Name wird meist nur noch in Zeitungen benutzt um daran zu erinnern, wie es früher mal war und wie bitter so manches heute ist.

"1. FC Nämberch": Fränkisch für 1. FC Nürnberg, auch als Anfeuerungsruf der Glubbfans verwendet. (Glubb steht übrigens im fränkischen für Club ;-))


Kommen wir jetzt zu den etwas weniger angenehmen Spitznamen des FCN.

"Er": Jeder im Frankenland weiss "wer" gemeint ist, wenn Sätze fallen wie "Der steigt scho wieder ab..." oder "der mou heut gwinna" oder auch sehr beliebt "Ich geh nimmer naus zu dem"

Also wird das Wort "er" bzw. "der" dazu verwendet, den Namen des Vereins nicht zu oft benutzen zu müssen, die Franken sich aber nach wie vor verständigen können und wissen "wer" denn jetzt gemeint ist. Er halt.


Dann bleibt noch der Spitzname des Glubb`s, der in letzter Zeit wieder vermehrt verwendet wird und dies zu Recht.

"Depp": Dieses Schimpfwort steht laut Internetlexikon für "eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen einfältigen Menschen, vergleichbar mit Trottel oder Idiot".

Die bekannteste Verwendung des Wortes "Depp" im Zusammenhang mit dem 1. FC Nürnberg ist der folgende Satz: "Der Glubb is a Depp!". Dieser Satz wurde in den letzten Jahren auch noch erweitert, verfeinert und spezifiziert: "Der Glubb is und BLEIBT a Depp!".


Aktuell steht "er" (der Depp, zur Erinnerung) mal wieder tief im Tabellenkeller. Jegliche Aufstiegseuphorie aus der Vorsaison ist verflogen, das Umfeld und der Anhang rumort lautstark und nach nicht mal der Hälfte der Hinrunde gab es bereits die erste Krisensitzung. Die letzten Spiele lassen nicht mehr viel Hoffnung auf Besserung zu und es kann dieses Mal ganz ganz bitter werden. Ein langer und harter Winter steht bevor.


Trotz allem Pessimismus: Ich geh ja doch wieder naus...Wohin? Na naus halt, zu ihm ;-)


p.s.: Abschliessend zur fränkischen Wortkunde noch der Begriff Glumbb: Steht für Müll, Schrott, Gelumpe. Komisch das sich die Wörter Glubb und Glumbb so wenig unterscheiden...



Montag, 21. September 2009

Recruiting oder „wem gehört das Talent“?

Offseason. Zeit für Clubs, Coaches und Spieler über die kommende Saison nachzudenken. Bleibe ich wo ich bin, möchte ich wechseln, wenn ja wohin?
Gespräche werden geführt, Spieler wechseln jeden Winter den Verein und ihr Trikot. Dieser alljährliche Vorgang gehört zu jeder Sportart dazu.
Mannschaften versuchen sich bestmöglich zu verstärken um in der neuen Spielzeit die bestmögliche Ausgangslage zu haben, um ihre gesteckten Ziele zu erreichen.

Nicht selten kommt bei einem Vereinswechsel Unmut auf. Unmut bei dem Verein, der den Spieler abgibt.

Nicht unbekannt sollte sein, dass ich nicht nur ein großer Freund von Baseballinternaten bin, sondern auch Befürworter dafür, dass es weitere Sportinternate, die unter anderem Baseballtalente betreuen, in Deutschland geben sollte. Während Holland die Leistungssportförderung mit derzeit sechs Baseballacademies in Europa anführt, gibt es bei uns nach wie vor nur eines. Und das steht bekanntlich in Regensburg. Mit Rodney Gessmann (ehemals Minnesota Twins), Ludwig Glaser (ehemals Los Angeles Angels), Donald Lutz (Cincinnati Reds) und dem erst vor kurzem unter Vertrag genommenen Max Kepler-Rosicky (Minnesota Twins) haben vier deutsche den Sprung über das Baseballinternat in Regensburg in den professionellen US Baseball geschafft. Nicht zu vergessen Jakub Sladek (ehemals Philadelphia Phillies) und Mike Bolsenbroek (Philadelphia Phillies), ebenfalls Sportler der Einrichtung.
Jetzt lässt sich natürlich argumentieren, diese Talente hätten den Sprung so oder so geschafft, mit Internat oder ohne. Möglich. Eines steht aber fest, die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen, die ein Baseballinternat bietet, sind nicht vergleichbar mit denen eines „normalen“ Vereinstrainings.

Nun zu der Frage in der Überschrift „wem gehört das Talent?“: Wenn gestandene Bundesligaspieler den Verein wechseln, ist der Unmut meist nicht so groß, wie wenn ein 15, 16 oder 17 jähriger prospect den Schritt macht und in ein anderes Umfeld wechselt. Wenn junge Talente den Verein wechseln, gibt es schnell einen lauten Aufschrei aus dem Heimatverein des Spielers. Da fallen dann Sätze wie „ihr nehmt uns unseren besten Spieler weg“ oder „wir haben den Jungen zum Baseball gebracht und bisher ausgebildet“ und so weiter und so fort. Es gab sogar mal eine Zeit, in der sich Trainer aus kleinen Vereinen dagegen entschieden, ihre besten Talente zu Auswahlmannschaften zu schicken, da die Befürchtung bestand der oder die jungen Spieler würden sehen was wo wie anders funktioniert und es könnten Begehrlichkeiten bei dem Talent entstehen, die einen zukünftigen Wechsel vorsehen.
Nun, wer so handelt bzw. solche Gedanken mit sich herum trägt hat einiges nicht verstanden und hat VORALLEM nicht das Beste für „seinen“ Spieler im Sinn.

Und wem „gehört“ nun das Talent? Dem Jugendtrainer, der dem Jugendlichen das Baseball spielen beigebracht hat? Dem Verein und damit dem Vorstand des Vereines, bei dem der Spieler einen Mitgliedsantrag unterschrieben hat? Also wem denn nun?
Vielleicht dem Spieler selbst? Das könnte eine Antwort auf meine Frage sein. Und ich denke nicht nur „könnte“, sondern das ist die Antwort. Und um Robert Eenhorn zu zitieren: “The talent of a kid is not yours, it`s the kid`s.”
Dieses Zitat stammt aus einer Unterhaltung mit ihm, als er mir erzählte, dass es auch im holländischen Baseball Personen gibt, die die Entwicklung junger talentierter Spieler insofern blockieren, als das vom nächsten Schritt für den Jugendlichen abgeraten wird. Abgeraten ist wohl noch harmlos ausgedrückt.
Übrigens, in Holland werden Nationaltrainer dazu angehalten, prospects in die verschiedenen Academies zu schicken. So ist etwa die gesamte holländische Juniorennationalmannschaft auf die sechs Academies aufgeteilt.

Um noch kurz auf die Beschwerde einzugehen, die in Baseball Deutschland eben gerne in diesem Zusammenhang fallen gelassen wird: „Der nimmt mir meinen besten Spieler weg!“
Warum habe ich diesen Satz nie gehört, wenn ein deutscher Spieler einen pro contract unterzeichnet? Die Minnesota Twins haben den Buchbinder Legionären das wohl derzeit beste europäische Talent „weggenommen“. Wieso höre ich hier keine Beschwerden? Weil es eine großartige Sache für den Spieler und den gesamten deutschen (damit natürlich auch europäischen) Baseball ist! Ich kenne niemanden, der sich nach dem „Kepler signing“ nicht für Max gefreut hat.

Sonntag, 20. September 2009

Unterklassiger Baseball oder die Frage: Unwissenheit oder Gleichgültigkeit?


Ich schaue gerne Baseball. Vom Nachwuchsspielbetrieb über sämtliche Herrenligen bis hin zum Spitzensport in Europa und natürlich die Major Leagues.

Heute war wieder so ein Nachmittag, an dem ich Lust auf ein paar innings Baseball hatte. Ein angenehm warmer Spätsommersonntag. Also kurz die Spielpläne durchgesehen ob es in der Region ein Baseballspiel anzusehen gibt. Dem war dann auch so, etwa 20 Minuten weit weg fand ein viertklassiges Spiel statt.


Was ich mich nicht nur heute frage, sondern eigentlich jedes Mal wenn ich mir solche Spiele anschaue - warum?


Warum tragen so viele Baseballspieler ihre Trikots mit so wenig Stolz? Warum verkommen so viele, gerade in den unteren Ligen ausgetragene Spiele zu solch langwierigen Angelegenheiten?

Bereits ab inning Nummer drei gehen die Herren vom Feld und spazieren schön lässig wieder in die Defense. Die inningwechsel dauern von inning zu inning immer länger. Meist hat man spätestens Mitte des zweiten Spiel den Eindruck, keiner der Akteuere hat überhaupt noch Lust, weiter zu spielen.

Wieso tragen Spieler, deren Trikotfarben bspw. weiss/blau sind, rote oder gelbe undershirts? So mancher Sportskamerad spaziert gelangweilt ohne Baseballcap ins Outfield, während der thirdbaseman für sich entschieden hat, es sei cool in diesem inning die Kappe mal verkehrt im "gangsta style" zu tragen.

Von fehlenden Baseballgürteln, Fahrradhandschuhen die in battinggloves umfunktioniert werden, Sockenfreien Schienbeinen oder telefonierenden Spieler, die mal eben das dugout verlassen um die Freundin zu herzen möchte ich garnicht anfangen. Alltag in deutschen Baseballligen. Achja, schön auch zu sehen wenn Spieler oder Coaches völlig geistesabwesend hinterm dugout oder am outfieldzaun, für die meist wenigen Zuschauer gut sichtbar, ein dringendes Bedürfnis erledigen.


Obwohl der Vergleich Fussball - Baseball oftmals hinkt, benutze ich ihn trotzdem. Wenn ich mir unterklassigen Fussball oder sogar Altherrenfussball ansehe, dann sehe ich 22 einheitlich gekleidete Freizeitsportler, die wissen dass man die Stutzen bis zum Knie hochzieht und kein merkwürdig farbiges Unterhemd auf dem Fussballplatz etwas verloren hat.

Warum ist das im (deutschen) Baseballsport nicht so? Wieso tragen so viele Baseballer ihre Uniform mit so wenig Stolz? Gleichgültigkeit? Unwissenheit? Bitte liebe Baseballfreunde, klärt mich auf. Denn ich kann jedes Wochenende aufs neue nur den Kopf schütteln, mit wie wenig Verständnis der ein oder andere Akteur auf das "Feld der Träume" läuft. Wenn er denn läuft und sich nicht dafür entschieden hat, heute bei jedem einzigen inningwechsel auf seine Position zu spazieren.

Aber es geht hier nicht darum, mich zufriedenzustellen und diese Unarten von denen ich hier schreibe abzustellen, sondern es geht darum das es tatsächlich ab und an vorkommt, dass völlige Baseballneulinge am Sportplatz vorbeischauen. Was mag sich so ein völlig unbedarfter Zuschauer denken, wenn er das erste Mal an einem Baseballfeld vorbeifährt, sein Fahrrad abstellt und versucht das Spiel zu verstehen? "Was ist denn das für ein lustiger Farbenmix auf dem Feld und wieso gehen die alle? Ich dachte Baseball fällt in die Kategorie Sport?"

So oder so ähnlich könnte die ein oder andere Frage des neuen Zuschauers aussehen.


Abschliessend noch eine weitere Auffälligkeit, die zu oft auf deutschen Baseballfeldern vorkommt: Umso weniger Engagment so mancher Sportler in die Bemühungen steckt, sich wie ein ballplayer zu kleiden und umso weniger Euphorie dabei aufkommen mag, dass das Wort "hustle" ein fester Begriff im Baseballlexikon ist, umso mehr Intensität kommt dann bei vermeintlichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auf.

Bei einem Spielstand von 18-7 im 6. inning, nachdem der starting pitcher, der immer noch tapfer werfend nach pitch Nummer 217 und seinem 16. zugelassenen Walk nun den borderline pitch zum lang ersehnten dritten Aus nicht erhält, ist es dann wirklich angebracht, die Hände in die Luft zu reissen und lautstark "DAS GIBT ES DOCH NICHT" oder "JA LECK MICH DOCH AM XXX" über das Feld zu brüllen?


CD


p.s.: Equipment (meist Schläger und Helme) wild über das Feld zu schleudern weil man gerade das erste Mal in seinem Leben einen popfly geschlagen oder gerade das erste Karrierestrikeout kassiert hat, obwohl man doch eigentlich jeden pitch ausnahmslos killt, sind auch nicht so nett anzusehen und oftmals deutlich übertrieben.

Donnerstag, 17. September 2009

Rückblick Weltmeisterschaft in Regensburg

Kurz und knapp: GRANDIOS!

Was für ein ausgezeichnetes event. Was Regensburg nicht nur mit dem äusserst beeindruckenden Stadion sondern auch mit der gesamten Organisation auf die Beine gestellt hat, sucht seines Gleichen in Europa.
Die Öffentlichkeitsarbeit war exzellent. Schon im Vorfeld der WM waren die regionalen Gazetten voll von Berichterstattungen. Neben Radiopräsenz waren auch etliche Fernsehsender vor Ort und haben ausführlich über das Turnier berichtet.

Der große Helferstab während der WM war stets freundlich und hilfsbereit. Baseballfans aus dem gesamten Land waren bestens gelaunt und sorgten bei allen Spielen für eine Klasse Stimmung.
Die groundscrew arbeitete auf dem Level professioneller Minor League groundskeeper.
Ich kann mich nicht erinnern, einen bad hop gesehen zu haben. Das Feld war einfach clean.

Als ob das viertägige Baseballfest im und ums Stadion nicht schon genug gewesen wäre, nach den night games ging die Party bei diversen offiziellen WM Feiern in der Stadt Regensburg weiter. Allein die Idee, solche Party`s zu organisieren, um Baseballfreunde aus dem ganzen Land in lockerer Atmosphäre "offiziell" zusammen zu bringen, gebührt schon ein dickes Lob.

Eine rundum gelungene Baseball Weltmeisterschafts Vorrunde, die Regensburg mit ihren beteiligten Helfern und Mitarbeitern auf die Beine gestellt hat. Super Werbung für den deutschen Baseball, super Werbung für den Baseballstandort Regensburg!

Zum sportlichen:

Wie ich es erwartet habe, waren der Großteil der Spiele blowouts. Die Begegnung Venezuela - USA (13-9 in 11) war ein packender vier Stunden Krimi vor 4200 Zuschauern. Wer unter diesen 4200 Leuten im Stadion das erste Mal beim Baseball war und nach so einem Spiel nicht wieder Baseball sehen möchte, muss verrückt sein oder eine Aversion gegen Sport an sich haben.
In dieser Partie durfte ich dann auch das erste Mal die neue, sogenannte "extra inning Regel" erleben. Eine wirklich hässliche Regel. Ab Inning Nummer 10 werden runner auf eins und zwei gestellt, während sich beide Manager davor entscheiden dürfen, in welchem spot der lineup begonnen wird.
Zu dieser irrsinningen Regel aber vielleicht noch gesondert etwas.

Nach der Überraschungsniederlage der US Amerikaner gegen Venezuela scheint Team USA nun gut ins Turnier gefunden zu haben. In der Zwischenrunde in Italien hat das "Minor League Allstar Team" drei von drei Spielen souverän gewonnen und die Qualifikation für die Endrunde schon so gut wie sicher.
Schon vor dem Start der WM mein Favorit auf den Titelgewinn: USA.
Bis auf vier Spieler im roster sind ausschliesslich Triple A guys am Start. Justin Smoak (AAA Texas Rangers) macht seinem Namen alle Ehre und killt jeden Fehler der gegnerischen Pitcher. 6 Homeruns, 14 rbi`s und eine Avg. von .450 in 5 Spielen.

Zum deutschen Team: Schade das es mit der zweiten Runde nicht geklappt hat, aber jeder einzelne im deutschen Trikot hat sein Land würdig vertreten. Gute Arbeit!

Während den Tagen in Regensburg habe ich unter anderem einen noch ziemlich jungen Baltimore Orioles Scout kennengelernt. Etwa mein Alter. Der Kerl war mal organisiert! Research über jeden einzelnen Spieler, ich dachte ich hab google neben mir sitzen.

CD

p.s.: Mir fällt noch was zu dieser neuen sonderbaren extra-inning Regel ein: Um das Ganze zu modifizieren, noch skurriler zu gestalten und das Spiel zu einer kompletten Farce verkommen zu lassen, hier mein Vorschlag: Ab inning 12 wird das Alu-inning eingeführt. Ab jetzt haut jeder mit Aluschlägern. Ab inning 13 dann, wenn das Spiel noch immer nicht vorbei ist, werden pro Team und pro inning jeweils ein Spieler der starting lineup im dugout gelassen. Solange bis nur noch die beiden pitcher übrig sind. Zudem wird ab inning Nummer 14 mit einem 1-1 count begonnen...
Eine so ähnliche extra-inning Regel ist im Softball ja usus und völlig normal. Ein Grund mehr warum ich mit Softball nichts anfangen kann...

Mittwoch, 16. September 2009

Neues Territorium


Seit wenigen Wochen habe ich einen neuen Bereich in der Baseballwelt betreten, den scouting Bereich.


Jedes Mal, wenn ich Leute dieser Zunft hinter den Zäunen eines Ballparks gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob das ein cooler Job ist oder nicht. Vor gut drei Jahren bin ich das erste Mal ernsthaft mit professionellen Scouts in Kontakt getreten. Ich hatte glücklicherweise die Möglichkeiten diese Baseballleute näher kennen zu lernen und mit ihnen zu sprechen. Am Rande von Trainingscamps oder Spielen meiner Mannschaften.


Der Großteil der Pro Scouts sind ehemalige Minor Leaguer oder Ex-College Coaches. Zudem sind in Europa noch einige Personen unterwegs, die National- oder Clubteams betreuen und zusätzlich als Scout für eine MLB Organisation arbeiten.





Fast immer freundlich, oftmals gut über das Spiel Bescheid wissend, kamen die Scouts bei mir an. Meist war es nur kurzer smalltalk über das was ich mache, dann wurden direkt Fragen über Spieler gestellt.





Im Juli diesen Jahres während der Junioren Europameisterschaft in Bonn hatte ich das Glück neben einem international scout der New York Mets zu sitzen. Wir haben uns lange und gut über den europäischen Baseball unterhalten und bereits am nächsten Tag hat der Scout aus der Dominikanischen Republik mich wie einen guten Freund begrüsst. Unsere Gespräche gingen weiter, einige lustige Witze meinerseits brachten ihn zum lachen...und nur wenige Tage später erhielt ich einen Anruf von ihm. "Hey man, you wanna work for me?..."





Seit diesem Anruf bin ich also ein kleiner Scout für die New York Mets. Kleiner deal, no signing power, ganz unten in der Hierachie. Associate scout nennt man so etwas in der Baseball Fachsprache. Derzeit mache ich nichts, ausser kurze reports an meinen Boss über mögliche prospects zu schicken, jedes Mal in der Hoffnung das ich nicht gefeuert werde, weil die Leute über mir so viel besser sind und ich jedes Mal zittern muss, dass mein Bericht nicht so weit weg ist von deren.





Scouting continues...


Nur wenige Tage nach der Junioren EM bekam ich eine email vom Benchcoach der italienischen Nationalmannschaften (Junioren und Senioren). "Hey, I need you to cover the World cup in Regensburg for me."


Ok, dachte ich mir. Antwortete "I`ll do it for you."


Seitdem bin ich nun auch, zumindest für jetzt, advanced scout für Italien. Allerdings sieht mein report über Team USA nicht gut aus. Auszug aus meiner mail "this is not a good report. I really had a hard time since the US guys such good hitters."





Forza Italia!





CD

Mic`s rants

Wie der ein oder andere sicherlich mitbekommen hat, stellt Michael "Mic" Weigl seit einiger Zeit eine Reihe kurzer Videos in das weltweite Netz. Die sogenannten "Mic`s rants". Abgesehen davon das die Dinger sehr unterhaltsam sind, ist auch viel wahres dabei.

Erstmal props an Mic, dass er den Schneid hat seine Meinung so deutlich, wenn auch nicht immer diplomatisch, zu verkünden.

In der aktuellen Zeit des Wahlkampfes, passt dann auch die folgende Story. Einer der rants hat mir so gut gefallen, dass ich ihn der gesamten deutschen Baseballwelt, die sich im DBV Forum tummelt, mitteilen wollte. Also den link kommentarlos ins Forum gestellt, in der Hoffnung der ein oder andere schaut sich das Video an und macht sich so seine Gedanken. Keine 20 Minuten später war mein post verschwunden, mein user account gelöscht und ich aus dem Forum "verbannt".
Wenn der deutsche Verband so mit Kritik umgehen möchte, fein. Ich dachte die deutsche Demokratie beinhaltet Meinungsfreiheit, aber diese endet scheinbar vor den Toren der Geschäftsstelle des deutschen Baseballverbandes.

On a further note: Die Baseballweltmeisterschaft in Regensburg war ein hervorragendes event. Das Wort "perfekt" passt hier sicherlich. Die Orga war ausgezeichnet, die Stimmung einmalig und die Helfer durchweg freundlich und gut gelaunt. Und das trotz wenig Schlaf und viel viel Arbeit.
Thumps up Regensburg!

Zur WM werde ich sicher noch ein paar Zeilen extra schreiben.

CD

p.s.: Hier noch der link für das beschriebene Video.
http://www.youtube.com/watch?v=dmaLC31_I9A
(contains bad language ;-))

Blogstart

Hallo liebe Leser,
die Baseballsaison 2009 neigt sich dem Ende zu und ich starte den Versuch eines blog`s.
Mal sehen wie schreibtüchtig ich dann tatsächlich bin wenn das Ding hier im Netz steht. Ich werde hier meine Gedanken über den deutschen - und europäischen Baseball und so manch anderes hinterlassen.
Fussball wird im Winter auch nicht zu kurz kommen, da ich an den Wochenenden nun mehr Zeit finden werde, meinen Heimatverein, den
1. FC Nürnberg zu unterstützen bzw. mich über "meinen" Glubb aufzuregen.
CD